| Die Rolle des kaspischen Raumes In 25 Jahren ist das Gas in der Nordsee alle, aber in der Region um Afghanistan und im Kaukasus ist alles vorhanden. Und ob dort regionale Sicherheit entsteht, ist im Interesse aller, die in der Zukunft aus der Region Energie beziehen wollen. (Bundesverteidigungsminister Rudolph Scharping, 21. 1. 2002, Berlin) Alle folgenden Angaben über Öl- und Gasvorkommen beziehen sich hauptsächlich auf die ehemaligen Sowjetrepubliken Kasachstan, Turkmenistan, Usbekistan und Aserbaidschan, in denen Anfang der 90er Jahre neue Reserven entdeckt wurden. Die Vorkommen Rußlands in der Region des kaspischen Meeres sind verhältnismäßig unbedeutend und der Iran wird als OPEC-Mitglied und als Schurkenstaat von der Betrachtung ausgenommen. Es gibt unterschiedliche Angaben über den Umfang dieser Vorkommen, so spricht die Bundesanstalt für Geowissenschaften Hannover von 133 Milliarden Faß Erdöl und von 24 Billionen Kubikmetern Erdgas, Mengen, die jeweils 13,6% bzw. 16% der gesamten weltweiten Reserven ausmachen würden. Die NATO und das US-Verteidigungsministerium gehen gar von stolzen 178 Milliarden Faß Öl aus, was 18% der weltweiten Reserven wären. Es gibt zwar auch vorsichtigere Zahlen, gesichert ist jedoch, daß die Vorkommen zumindestens dem doppelten Volumen der Nordsee-Förderung entsprechen.(7) Zudem ist es wichtig zu erwähnen, daß man viele Gebiete erst seit kurzem mit modernen Mitteln untersucht, so konnten gerade in den letzten Jahren riesige neue Ölfelder in Kasachstan wie der Kaschagan-Block sowie eine gewaltige Erdgasblase im aserbaidschanischen Offshorefeld Shakh-Deniz gefunden werden.(8) Dazu der Öl-Experte Jean-Christophe Fueg von der Internationalen Energieagentur: Das kaspische Meer ist beleibe kein neuer Persischer Golf, aber die Ölförderung dort kann eine wichtige und willkommene Ergänzung zur Produktion der OPEC-Staaten werden. (7) Es geht also um alternative Versorgungsquellen aber auch um eine strategische Reserve gegenüber der OPEC in Hinblick auf den Ölpreis. Dementsprechend werden die großen Ölkonzerne von der kaspischen Region angezogen. So betrugen allein die ausländischen Direktinvestitionen in Aserbaidschan, die im Zusammenhang mit der Förderung und dem Abtransport der dortigen Ölressourcen stehen, bis zum Jahre 2001 4,5 Milliarden US-$. Im kasachischen Tengiz-Becken liegen laut Chevron ca. 9 Milliarden Faß Erdöl, der US-amerikanische Ölmulti, der dort investiert hat, spricht von einem der größten Ölfelder der Welt. Der Konzern, der vor zwei Jahren mit Texaco, einem weiteren Riesen der Branche fusionierte, hat sich hier in einem 20-Milliarden-US-$-Jointventure namens Tengizchevroil auf 40 Jahre an die staatliche kasachische Ölgesellschaft gebunden.(9) Während bei dem Konsortium zur Produktion in dieser Region US-Konzerne die meisten Anteile in ihrem Besitz haben, so dominieren beim ebenfalls kasachischen Kaschagan-Ölfeld mit der französisch-belgischen TotalFinaElf und der italienischen ENI europäische Konzerne die Landschaft. Das sogenannte AIOC-Konsortium in Aserbaidschan wird von der britischen BP angeführt, die 34% der Anteile besitzen, neben dieser befinden sich auch norwegische, russische, aserische und US-amerikanische Konzerne in dem größten Konsortium der Kaukasusrepublik.. Im gasreichen Turkmenistan wiederum ist neben der niederländisch-britischen Royal Dutch/Shell auch die russische Gazprom im Geschäft. Nicht zu vernachlässigen neben all diesen Unternehmen ist in diesem Zusammenhang auch China, welches in Kasachstan insgesamt 9,5 Milliarden US-$ investiert hat. Mit diesem Geld konnte man unter anderem 1997 die Mehrheit an der größten kasachischen Ölgesellschaft erwerben, sowie ein riesiges Pipelineprojekt finanzieren (noch im Bau befindlich), das den zentralasiatischen Staat mit dem bevölkerungsreichsten Land der Erde verbindet. Mit Hilfe dieser Investitionen möchte das Riesenreich Energiedrehscheibe in Südostasien werden und auch Südkorea und Japan mit Öl und Gas aus Zentralasien versorgen. Wie gelangt das Öl in die Industriemetropole In dieser Frage liegen alle Vorteile in der Hand Rußlands. Profitierend vom alten sowjetischen Transportnetz können die begehrten Rohstoffe sowohl östlich als auch westlich des Kaspischen Meeres dorthin transportiert werden, um von dort über Land oder per Schiff weiter zu den betreffenden Zielorten gebracht zu werden. Man kann ohne weiteres von einem russischen Transportmonopol sprechen. Diese Vormachtstellung ist den Staaten Kasachstan, Turkmenistan, Usbekistan und Aserbaidschan allerdings ein Dorn im Auge, die bei der Vermarktung ihres Reichtums den großen Nachbarn lieber umgehen wollen. Auch den Energie-Multis und nicht zuletzt der US-Administration schmeckt diese Abhängigkeit vom alten Erzfeind sehr wenig. In folgendem werden die verschiedenen realisierten und geplanten Pipelineprojekte, mit denen kaspisches Öl und Gas in die Industrienationen gelangen soll, erläutert (zum besseren Verständnis: Siehe Karte !) Seit 1998 gibt es eine Ölleitung vom aserbaidschanischen Baku in das georgische Supsa, die nicht über russischen Boden führt. Von dem Schwarzmeerhafen aus wird die schwarze Flüssigkeit dann verschifft. Problematisch sind hierbei nicht nur die kriegerischen Konflikte in Berg Karabach (Aserbaidschan) und in Abchasien (Georgien), sondern auch die Tatsache, daß die Pipeline mit einer maximalen täglichen Transportleistung von höchstens 150.000 Faß für die Förderung des aserbaidschanischen Hauptöls (Öl zum Zeitpunkt des Produktionsmaximums), was ca. 2004 kommen wird, zu klein ist. Alternativ hierzu in Planung ist der Bau einer Öl- und Gaspipeline von Baku zum türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan. Da dieses Vorhaben jedoch sehr teuer ist, wäre es nur bei einem dauerhaft hohen Ölpreis rentabel. Zudem läuft diese Route durch Kurdistan, was einen Unsicherheitsfaktor und damit einen weiteren Nachteil darstellt. Um das Projekt lohnenswert zu machen, haben die Planer die Transportkapazität der Anlage derart hoch angesiedelt, daß das aserbaidschanische Öl allein nicht ausreichen würde, um dieser mengenmäßig gerecht zu werden. Aber nur für den Transport relativ großen Mengen würde sich der Bau der Röhre erst lohnen. Daher hat man hier nämlich geplant, noch zusätzliches Öl und Gas aus Kasachstan, Turkmenistan und Usbekistan, also östlich des Kaspischen Meeres über entsprechende Transportsysteme quer durch das Meer nach Aserbaidschan zu schicken, um es von hier dann mit in die Pipelines nach Ceyhan zu pumpen. Da hierfür aber der Iran und Rußland als Anrainerstaaten des größten Binnengewässers der Welt ihre nötige Zustimmung verweigern, bleibt das Projekt überdimensioniert. Dies mußten auch die an der Planung beteiligten Konzerne anerkennen, die sich letztendlich aus ökonomischen Gründen gegen die Durchführung des Baus aussprachen. Die US-Regierung hingegen befürwortet diese Variante nach wie vor, da man somit Rußland, als auch den Iran als Transitland umgehen würde. Die alte sowjetische Transportroute aus Aserbaidschan nach Rußland, die über ausreichend Kapazität verfügt, ist mit dem russischen Schwarzmeerhafen Noworossijsk verbunden, von wo das Öl ebenfalls per Schiff weiter transportiert wird. Schwierigkeit hierbei ist, daß sie durch das krisengeplagte Tschetschenien verläuft, wo sich die islamisch-fundamentalistischen Seperatisten in den vergangenen Jahren gerne immer mal wieder auf die Pipeline gestellt haben, um von den Russen einen höheren Durchgangszoll zu verlangen oder um in Kriegszeiten Druck auf den Feind ausüben zu können. Der Kreml hat sich das bekanntermaßen nicht gefallen lassen und nicht nur in Tschetschenien hart durchgegriffen, sondern auch mit der im April 2000 fertiggestellten Nordroute durch die Nachbarrepublik Dagestan eine Umgehung der Problemzone geschaffen, um den störungsfreien Transport zu gewährleisten. Im Sommer 2001 konnte mit der CPC-Pipeline (CPC = Caspian Pipeline Consortium), die Kasachstan mit Noworossijsk verbindet, die bedeutendste Exportpipeline aus dem Gebiet des kaspischen Meeres fertiggestellt werden. Die Route, die mit einer maximalen Tageskapazität von 1,36 Millionen Faß vollkommen den Anforderungen der Hauptproduktion der kasachischen Felder genügt, geht größtenteils über russischen Boden. Führer des Konsortiums verschiedener russischer, kasachischer und arabischer Firmen ist der bereits erwähnte Chevron/Texaco-Konzern, der ja, wie bereits erwähnt, nicht nur beim Abtransport, sondern auch bei der Förderung des kasachischen Öls kräftig investiert hat. Mit dieser riesigen Pipeline ist das von der amerikanischen Regierung favorisierte Projekt Baku Ceyhan in Frage gestellt. Durch die Fertigstellung der CPC-Pipeline konnte im Oktober 2001 in Noworossijsk der erste Tanker mit Erdöl aus dem kasachischen Tengizfeld beladen werden. Die Verschiffung von diesem russischen Schwarzmeerhafen aus geht durch den Bosporus in das Mittelmeer, was wiederum das nächste Problem darstellt. Die Meerenge ist für Großtanker relativ ungeeignet und mit 50000 Schiffspassagen pro Jahr total überbelastet. Eine Havarie mitten in der Millionenstadt Istanbul wäre eine Riesenkatastrophe. Die türkische Regierung verweist immer wieder gerne auf die Problematik, nicht zuletzt, da das NATO-Mitglied bei der möglichen Transportalternative Baku Ceyhan als Durchgangsland eine nicht unbedeutende strategische Rolle bezüglich der westlichen Energieversorgung einnehmen würde sowie auch Transportgebühren verlangen könnte. Eine nicht zu vergessene Möglichkeit bestünde darin, den Iran als Transitland zu nutzen. So boten die Iraner bereits selbst an, gegen kaspisches Rohöl die gleiche Menge an eigenem Rohöl in die Tanker am Indischen Ozean zu pumpen. Das Öl würde aus Aserbaidschan und Turkmenistan in den schiitischen Gottesstaat gelangen und dort praktisch gegen iranisches getauscht werden. Diese Lösung wäre nicht nur die schnellste, sondern auch die kostengünstigste, wenn man Rußland als Durchgangsland umgehen will, doch scheitert sie an dem kategorischen Nein! der US-Administration. Allen Unternehmen, die in diese Richtung investieren würden, auch US-amerikanischen, wären Sanktionen aus Washington gewiß. Dabei sind sogar die US-Firmen ob der wirtschaftlichen Attraktivität diese Möglichkeit gar nicht abgeneigt, mit den Ayatollahs zu kooperieren. Bevorzugt es die US-Administration, aus politischen Gründen den Transport möglichst unter vollständiger Umgehung Rußlands als auch des Irans laufen zu lassen, so sind die europäischen Staaten sowie die Öl-Multis eher an einer Pipelinevielfalt interessiert, lediglich ein russisches Transportmonopol steht den Interessen aller entgegen. Fest steht, daß eine Lösung gefunden werden muß. Die Zeit drängt, stehen doch die meisten Öl- und Gasfelder in der Region um das Kaspische Meer kurz vor ihrer Hauptförderung. Afghanistan das Rätsels Lösung Wie aus Berichten einer ministeriellen Abteilung der US-Regierung , der Energy Information Administration hervorgeht, verabschiedeten die Staaten Turkmenistan, Afghanistan, Pakistan und Usbekistan bereits 1995 das Projekt einer zentralasiatischen Gaspipeline. Dies sollte vom Kaspischen Meer bis nach Pakistan oder sogar nach Indien führen, um den dortigen Energiemarkt zu erschließen. 1997 bildete sich hierfür ein Konsortium, bestehend unter anderem aus der kalifornischen Ölgesellschaft UNOCAL (United Oil of California) und der saudiarabischen Delta Oil, die zusammen 85% der Anteile besaßen. Auch die zu 5% beteiligte Turkmenrusgas aus Turkmenistan und die russische Gazprom waren mit von der Partie. Neben diesem Vorhaben entstand ebenfalls das sogenannte Central Asia Oil Pipeline Project, in dem es, wie der Name schon sagt, nicht um Erdgas sondern um Erdöl ging. Geplant wurde die 1000-Meilen-Route, die von Turkmenistan durch Afghanistan und Pakistan bis zum Indischen Ozean gehen sollte ebenfalls von UNOCAL, zudem stieg die argentinische Bridas- Gesellschaft in das Geschäft mit ein. Herrschte zu Beginn der 90er Jahre in dem bürgerkriegserschütterten Afghanistan noch eine wahrlich nicht investorenfreundliche Stimmung, so konnten die Taliban einige Jahre später mit der Errichtung ihres Terrorregimes für Stabilität und Ruhe sorgen. Das dies trotz der massiven Menschenrechtsverletzungen die US-Administration nicht weiter störte, dürfte nichts Unbekanntes sein, ist es doch mittlerweile allgemein bekannt, daß die Gotteskrieger ihren Aufstieg hauptsächlich dem US-amerikanischen Auslandsgeheimdienst CIA verdankten, der nicht nur bei derer militärischen Ausbildung massive Unterstützung leistete, sondern auch mit Waffenlieferungen an die sogenannten Klosterschüler die Voraussetzung für deren Machtergreifung schuf. Ausdruck dafür die Stellungnahme eines US-Diplomaten: Die Taliban werden sich wahrscheinlich so entwickeln wie die Saudis. Da wird es US-Pipelines geben, einen Emir, kein Parlament und eine Menge an Scharia-Gesetzen. Damit können wir leben. (10) Tatsächlich standen die islamischen Fundamentalisten den Plänen von UNOCAL & Co. nicht im Wege denn für den Fall einer Fertigstellung der Transportrouten konnten sich die Energiekonzerne mit ihnen über einen jährlichen Wegzoll von 180 Millionen US-$ einigen. Für die Verhandlungen scheute UNOCAL keine Mühe und lud sogar Taliban-Führer nach Houston,Texas ein. Doch nicht nur hierfür waren die Taliban nützlich. Erhofften sich die US-Geostrategen durch sie auch einen stärkeren Einfluß auf Zentralasien und auf die ehemaligen Sowjetrepubliken sowie auf den verhaßten Iran zu bekommen. Des weiteren wurden in den El Kaida-Lagern in den Bergen des Hindukusch radikale islamistische Rebellen für den anti-russischen Krieg in Tschetschenien ausgebildet, ebenso chinesische Kämpfer, die in Xinjang, im Nordwesten des Riesenreiches im Namen Allahs gegen die Zentralgewalt der Regierung in Peking und für einen muslimischen Gottesstaat streiten. Leider fand die Freundschaft 1998 ein jähes Ende als klar wurde, daß die bärtigen Fundamentalisten einen gewissen Osama Ben Laden unterstützten und das auch noch nach den Anschlägen auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania, für das der saudiarabische Multimilliardär als Drahtzieher verantwortlich gemacht worden war. Die US-Regierung unter Clinton bombardierte daraufhin eine Medizinfabrik im Sudan und den angeblichen Aufenthaltsort Ben Ladens an der afghanisch-pakistanischen Grenze. UNOCAL muß sich aus dem Projekt zurückziehen und plötzlich tat man so, als ob man schon immer höchst empört über das grausame Regime in Kabul gewesen war. Dazu der Vizepräsident der UNOCAL-Corporation John M. Maresca am 12. 2. 1998 vor dem Subcommittee on Asia and the Pacific des Abgeordnetenhauses zu Washington, DC.: Von allem Anfang haben wir klar gemacht, daß die Pipeline, die wir durch Afghanistan legen wollen, nicht gebaut werden kann, bevor dort nicht eine anerkannte Regierung im Amt ist, die das Vertrauen von Regierungen, Kreditgebern und unserer Firma genießt. Man mußte das Eigenprodukt also wieder loswerden. So berichtete vor geraumer Zeit die englische BBC, daß das pakistanische Außenministerium schon im Juli des Jahres 2001 unterrichtet wurde, daß im Herbst eine Militäraktion der USA gegen den Nachbarn geplant sei. Laut dem amerikanischen Nachrichtensender NBC lagen George W. Bush am 9. September, just 2 Tage vor den verheerenden Anschlägen auf das World-Trade-Center, detailiert ausgearbeitete Pläne über einen großangelegten Vernichtungsfeldzug gegen das El Kaida-Netzwerk zur Unterzeichnung vor. Aus den Papieren ging hervor, daß ein Ultimatum für die Auslieferung des Topterroristen an die afghanischen Machthaber gestellt und für den Fall einer Weigerung mit einem Militärschlag gedroht werden sollte. Nur weil die Pläne derart genau und gründlich ausgearbeitet waren, konnte die US-Administration nach den Anschlägen so prompt reagieren, auch Militärexperten belegen, daß Feldzüge dieser Größenordnung, wie er dann durchgeführt wurde, viele Monate Vorbereitung brauchen. Weshalb der US-Präsident die ihm vorgelegten Pläne allerdings aus Termingründen, wie es hieß, nicht unterzeichnete, bleibt Spekulation. Festzuhalten ist aber auf jeden Fall, daß der 11. September lediglich als ein Vorwand genutzt wurde, um die langersehnten Luftangriffe fliegen und die Spezialbodentruppen in den asiatischen Staat schicken zu können. Auch der nach wie vor unleugbare Beweismangel über die Schuld Ben Ladens & Co. an den Flugzeugattentaten stellten keinen Hinderungsgrund dar, da es offenbar ausreicht, daß die US-amerikanischen und britischen Regierungsverantwortlichen sich gegenseitig hinter verschlossenen Türen verständigen, daß alle Beweise stichhaltig seien, der Weltöffentlichkeit wurden zudem später mit den bekannten Video- und Tonbandaufnahmen, die angebliche Geständnisse führender Vertreter des Terrornetzwerkes enthielten, absolut unwiderlegbare und vor jedem Gericht standhafte Beweise präsentiert. Bush, Rice, Karsai & Co. Sie alle kommen aus der Ölindustrie Bei der Regierungsbildung nach der Talibanentmachtung konnten sich die US-Amerikaner durchsetzen und mit Hamid Karsai ihren Favoriten als Übergangspräsidenten, der vor kurzem sogar als dauerhafter Regierungschef bestimmte wurde, in Kabul positionieren. Der Paschtune, der in den USA Jura studierte, konnte vor seiner Berufung in sein Heimatland schon Erfahrungen bei der bereits erwähnten UNOCAL-Gesellschaft sammeln, bei der er mehrere Jahre als Berater tätig war. So ist es auch nicht verwunderlich, daß er im März dieses Jahres bei einem Treffen mit Vertretern der deutschen Industrie in Berlin eifrig für die Pläne seines alten Arbeitgebers warb. So ließ Karsai diesbezüglich unverblümt verlauten: Eine solche Pipeline wäre für uns alle von großem Gewinn. (12) Eine weitere interessante Personalie im Afghanistan nach den Taliban ist der US-Gesandte Zalmay Khalilzad. Der wichtigste direkte Vertreter Washingtons berät die afghanische Regierung. Auch Khalilzad hat pikanterweise bei UNOCAL gearbeitet und war im Auftrag des Öl-Konzerns sogar in Afghanistan tätig, wo er die Verhandlungen mit den Taliban über den Bau der beiden Pipelines führte. In dieser Zeit warb er auch bei der Clinton-Regierung für die Zusammenarbeit mit den Gotteskriegern, eine Attitüde, die Khalilzad 1998 ebenso wie sein Arbeitgeber eifrig korrigierte. (13) Der Afghane, der Ende der 70er Jahre aus seinem Heimatland in die USA emigrierte und dortiger Staatsbürger wurde, arbeite bereits in den 80er Jahren für die Reagan-Administration als Verbindungsmann zu den Mudschaheddin. In diesem Zusammenhang soll er sich für den Transfer der hocheffektiven Boden-Luft-Raketen vom Typ Stinger eingesetzt haben. George W. Bush holte ihn schließlich im Jahr 2000 in sein Beraterteam, allen Kritikern in den USA zum trotz, die meinten, Khalilzads politische Tätigkeit sei mit seinen Öl-Interessen und mit seiner Beschäftigung bei UNOCAL nicht vereinbar. Dies hielt Bush auch nicht davon ab, den Afghanen nach seinem Wahlsieg in den Nationalen Sicherheitsrat zu berufen, übrigens ein Posten, für dessen Besetzung der US-Präsident den amerikanischen Senat nicht anhören muß. Die Chefin dieses Nationalen Sicherheitsrates, Condoleeza Rice, war vor ihrer Ernennung in das Gremium 10 Jahre lang Mitglied im Aufsichtsrat des bereits mehrfach angeführten Energieriesen Chevron, der in diversen Öl- und Gaskonsortien in Kasachstan tätig ist. Zudem fungierte die ausgewiesene Rußland-Expertin in dem Konzern als Beraterin für Zentralasien. Die Politikerin gilt als sehr loyal und ihr Rat wird von Bush hoch geschätzt. Dieser kommt bekanntermaßen ebenso aus der Ölszene, so war er doch Chef eines Erdölunternehmens, welches aber bereits vor einigen Jahren pleite ging. Insgesamt gehörten dem Team, das die Amtszeit des Texaners vorbereitete, mehr als 20 Manager und Gesellschafter von Öl- und Gasunternehmen an. Nicht zu vernachlässigen ist auch der Vizepräsident des nordamerikanischen Staates. Dick Cheney war bis zu seinem Amtsantritt Vorstandschef von Haliburton, des weltgrößten Materialzulieferers in der Öl-Industrie. Der Konzern ist unter anderem stark aktiv in Aserbaidschan, wo Cheney mit der dortigen Regierung noch kurz vor seinem Abtritt einen Groß-Deal einfädeln konnte. (9) Fazit: Man muß also feststellen, daß die Verquickungen zwischen Öl-Industrie und US-Administration derart eng sind, daß man ohne weiteres sagen kann: Das Weltbild US-Regierung ist das Weltbild von Ölmännern. US-Wahlkampfspenden Auch folgende Tatsachen dürften nicht überraschen: Von den ca. 41,6 Millionen US-$, die die Republikaner 2000 für ihren Wahlkampf verbuchen konnten, stammten mit 33,3 Millionen 80% aus der Ölindustrie. Selbstverständlich ließen sich auch Konzerne wie Chevron/Texaco, Haliburton und Exxon/Mobil nicht lumpen. Von den Zuschüssen der Öl-Multis profitieren aber auch viele Mitglieder des US-Senats. Acht republikanische Senatoren darunter auch der Vorsitzende des Energieausschusses erhielten ihre höchsten Einzelspenden von Energiekonzernen. Bei weiteren 19 Senatoren zählte die Öl- und Gasindustrie zu den jeweils drei wichtigsten Geldgebern. (9) Dazu hier die Liste der Spenden, die die Republikaner im Jahr 2000 für ihren Wahlkampf erhielten: ENRON CORP 2.387.848 US-$ EXXON MOBIL CORP 1.374.200 US-$ BP AMOCO CORP 1.288.192 US-$ 1) Die Woche, 1.4.1999 2) BP - Statistical review of world energy ; Internationale Energieagentur Weltenergieausblick 2000 3) BP/AMOCO Statistical review of world energy, Juni 2000 4) Energy Weekly, 11.8.1999 5) C. Campbell, The Coming Oilcrisis, Multiscience Publishing & Petroconsultants, 1998 Department of Energy, Energy Information Administration ; siehe http://www.eia.doe.gov 6) Laherrere, Oceanic Hydrates: where, how and how much?, veröffentlicht in Energy, Exploration and Exploitation ; siehe http://www.oilcrisis.com/laherre/hydrates 7) Financial Times Deutschland, 2.1.01 8) Institut für Sozialökologische Wirtschaftsforschung München e.V.: Krieg ums Erdöl, Dezember 2001 9) Die Woche, 19.10.01 10) The Guardian, 23.1.01 11) Frankfurter Rundschau, 18.5.02 12) Financial Times Deutschland. 15.3.02 13) Spiegel Online, 10.1.02 |